Mönkeberg, 2022

Katrin Pieczonka (geb. 1972)

Katrin Pieczonkas Gemälde „Mönkeberg“ ist das erste Werk der Künstlerin in der Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Dank des Freundeskreises Schloss Gottorf, der das Gemälde im September 2022 erwarb, bekleidet es eine neue Position in der Norddeutsche Galerie.

Katrin Pieczonka wurde 1972 in Kiel geboren und studierte dort an der Muthesius Kunsthochschule Freie Kunst sowie Malerei. 2005 schloss sie ihr Studium mit einem Diplom in Freier Kunst ab und erhielt in den darauffolgenden Jahren verschiedene Arbeitsstipendien in Norddeutschland sowie den Gottfried-Brockmann-Preis der Landeshauptstadt Kiel (2007). Nachdem sie von 2008 bis 2015 als freie Künstlerin in Hamburg angesiedelt war, lebt und arbeitet sie heute wieder in Schleswig-Holstein.

Im Jahr 2022 entstand das großformatige Gemälde „Mönkeberg“, das uns mit einer Fülle aus Linien, geometrischen Formen und Mustern augenblicklich in seinen Bann zieht. Dabei überlagern sich die einzelnen Formen und Farben immer wieder auf unterschiedlichste Weise, sodass jeweils neue Ebenen erzeugt werden. Die Künstlerin arbeitet hierfür mit Abklebungen, die nach dem Auftragen der jeweiligen Farbschichten wieder entfernt werden und die darunterliegende Fläche streng abgrenzen. Für das Auge erzeugt dies zum einen eine faszinierende Tiefenräumlichkeit und zum anderen den Effekt diverser in den Betrachterraum ausgreifender Dimensionen – von blauen und grünen Farben dominiert, hier und da von kräftigen Rottönen durchbrochen.

Als Spuren des Malprozesses finden sich inmitten des Geflechts aus geraden Linien kleine Spuren von tropfender Farbe oder wie versehentlich wirkende Pinselstriche. Dies ergibt einen lebendigen Kontrast zur geometrischen Genauigkeit der Gesamtkomposition. Auch die Überlagerung einzelner Farbschichten lässt sich anhand von sichtbar gebliebenen Strukturen nachvollziehen. Dadurch wird der langwierige Entstehungsprozess des Gemäldes deutlich. Katrin Pieczonka lässt sich bei ihrer Arbeit aus dem Moment heraus leiten, ohne zuvor zu wissen, wohin dieser sie trägt.

Besonders hervorzuheben ist der inhärente Heimatbezug der Künstlerin: Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich hier um einen Blick auf den Mönkeberger Leuchtturm bei Kiel. Die obere und untere Bildhälfte mittig trennend, bilden sich durch Formen und Farben scharf die Grenzen des Horizontes ab und rufen Assoziationen von Booten oder Segelschiffen wach – ebenso wie die Idee von Strömung oder an Land brandenden Wellen.

Ein kleiner Ausschnitt im Hintergrund gibt ein Stück Himmel und Mond frei. Zusammen mit der abstrahierten, aber erkennbaren Darstellung des Leuchtturmes fällt dieses Bildelement visuell aus der übrigen geometrischen Gestaltung heraus. Möglicherweise sind Mond und Leuchtturm hier als Symbole für Beständigkeit in einer sich stetig verändernden Welt zu verstehen.

Vanessa Jasmin Köller
Praktikantin im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
11/2022