Nonnen, 1919

Friedrich Peter Drömmer (1889, Kiel - 1968, Gräfelfing)

Gemälde
Öl auf Leinwand, 100 x 83 cm

Dank des großzügigen finanziellen Engagements des Freundeskreises Schloss Gottorf konnte ein bedeutendes Werk des Kieler Künstlers Friedrich Peter Drömmer (1889–1968) für die Gottorfer Sammlung gesichert werden. Drömmer hatte 1919, nach seinem Kriegseinsatz, zusammen mit Karl Peter Röhl (1890–1975), Werner Lange (1888–1950) und anderen, die „Expressionistische Arbeitsgemeinschaft Kiel“ gegründet. In der turbulenten Phase nach dem Ersten Weltkrieg nahmen auch künstlerisch revolutionäre Bewegungen in Deutschland Fahrt auf. Drömmer, Röhl und Lange wagten mit einem politisch links ausgerichteten zweiten Expressionismus den künstlerischen Neuanfang.

In dieser Zeit, 1919, entstand auch das nun erworbene Gemälde „Nonnen“. In einem prismatisch zersplitterten Bildraum sind zentral die Köpfe und Oberkörper zweier Frauen zu erkennen: Der zum monastischen Habit gehörige Kopfschleier charakterisiert sie als Nonnen. Die Beiden sind eingebettet in eine dichte Struktur aus kristallinen Formen in Grau-, Grün- und Brauntönen, die von helleren Akzenten durchsetzt sind. Das Gemälde scheint im Rhythmus von Farbe und Form regelrecht zu vibrieren. Insbesondere am unteren Bildrand verdichten sich leuchtende Rot-, und Orangepartien und verleihen der Komposition zusätzliche Lebendigkeit und Dramatik. Schemenhaft lassen sich Arme und Hände der beiden Frauenfiguren erkennen, die im Gestus des Betens mit den Handflächen nach oben gekehrt sind.

Drömmers Gemälde leistet einen sehr spezifischen Beitrag zum deutschen Expressionismus. Die kubistischen Elemente und die dynamische Spannung in der Komposition erinnern an den italienischen Futurismus der Jahre 1909–14. Seit ihrer Entstehung im Besitz des Künstlers bzw. seiner Nachfahren verblieben, ergänzen die „Nonnen“ ab jetzt den kleinen, aber bedeutenden Bestand von Werken Friedrich Peter Drömmers auf Schloss Gottorf.

Dr. Ingo Borges